KARL-MARX-HAUS TRIER

Gestaltungs-Wettbewerb

In einem breit eingeladenen Wettbewerb der Friedrich Ebert Stiftung zur Neugestaltung des Karl-Marx-Hauses erreichte unser Gestaltungsbeitrag den zweiten Platz. Wir schlugen vor, mit einer übergreifenden Gestaltungsmetapher zu arbeiten, die sich in Logo, Architektur, Grafik und Informationsgestaltung wiederfindet. Als Arbeitstitel für diesen Entwurf wurde »Crossing Karl Marx« gewählt.

DAS NETZWERK
Würde Karl Marx heute leben, könnte er als Netzwerker begriffen werden. Der Aufruf »Proletarier aller Länder vereinigt euch« ist in mehrfacher Hinsicht verbindend gemeint, indem sich die Arbeiterklasse nicht nur national, sondern global organisieren soll im Sinne einer verbindenden grenzübergreifenden Interessensvertretung.

Im »Kommunistischen Manifest« hat Marx die Globalisierung und ihre Folgen analysiert und teilweise vorhergesehen. Die Internationalisierung der Kommunikation, Mobilität und Kapitalströme hat er somit bereits vor 160 Jahren beschrieben. Für unsere heutige Gesellschaft, in ihrer materiellen Verfasstheit und mit ihren Produktionsbedingungen, ist der Begriff des Netzwerkes eine überaus prägende Metapher.

Die Gestaltungsidee findet sich wieder in Linien, die man als Richtungen, Vektoren oder auch Blickwinkel sehen kann und Kreuzungen – zu sehen als Verbindungen, Einschnitte und Schnittpunkte.

So werden im Ausstellungsteil »Leben« Politische Kontexte, persönliche Ereignisse und sein Werk räumlich und grafisch geschickt miteinander verwoben.

Für das Werk »Das Kapital« wurde eine Sonderninszenierung entwickelt. Der Raum ist geprägt durch helles Licht, Spiegelungen und hochwertige Materialien und erinnert so eher an einen Shop, als eine Ausstellung. In dieser cleanen, hypergestalteten Atmosphäre wird so oberflächlich betrachtet mit den Mitteln des modernen Kapitalismus dieser selbst kritisiert und analysiert. Zentrales Element ist ein Präsentationstresen mit verschiedenen Artefakten. Diese bieten den Ausgangspunkt für interaktive und animierte Erklärungen zentraler Begriffe der Marx’schen Analyse.

Der gestalterische Ansatz »Netzwerk« findet sich auch in den Signets der einzelnen Haupt-Ausstellungsbereiche wieder, die das Kreuzungsthema variieren.

 

AUSLOBER Friedrich-Ebert-Stiftung
LEISTUNG Gestaltung
FERTIGSTELLUNG 2016