(K)EIN PLATZ AN DER SONNE

Junior-Ausstellung im Humboldt Lab Dahlem

Mit diesem programmatischen Titel werden die Besucher seit dem 26.6. in der Probebühne 7 des Humboldt Lab in Berlin Dahlem empfangen. Es ist die letzte Reihe von Sonderausstellungen, mit der das Ethnologische Museum in den vergangenen vier Jahren kuratorische, anthropologische oder historische Fragestellungen in unterschiedlichen Vermittlungs- und Ausstellungskonzepten präsentierte. IT’S ABOUT hat die Ausstellung mit kuratiert und gestaltet.

Was bedeutet der deutsche Kolonialismus für Jugendliche von heute? Wo berührt dieses historische und belastete Thema ihre Lebenswelt? Und lässt es sich im Museumsraum überhaupt “erzählen” oder “darstellen”?

In verschiedenen Workshops hat das interdisziplinäre Team aus VermittlerInnen, SzenografInnen und WissenschaftlerInnen sowohl die historischen Bezüge und alltagsrelevante Themenfelder zusammengestellt als auch verschiedene Vermittlungsformate für und mit der jugendlichen Zielgruppe und externen Berater diskutiert und konkretisiert.
Mit der Labor-Ausstellung ist ein Raum entstanden, der nicht vordergründig das Aufklären zum Ziel hat, sondern vor allem Eines sein will: Anlass zu eigenen Fragen und Weiterforschen, Diskussionsangebot und Sensibilisierung. Weitere Workshops mit Jugendlichen werden in den nächsten Wochen innerhalb der LAB-Ausstellung folgen und Formate durch die gewonnenen Positionen variiert und ergänzt.

Auf diesen Umstand reagiert die Ausstellungsgestaltung mit einer mobilen, einfach veränderbaren Szenographie: schlichte Böcke und rohe Holzplatten sind je nach Betrachtungs- und Arbeitssituation in thematischen Gruppen im Raum angeordnet. Die Ausstellungsgrafik ist mit Laserausdrucken direkt auf die Platten tapeziert und greift damit bekannte Motive aus dem öffentlichen Raum und den Charakter des Unfertigen wieder auf: die Aufarbeitung ist noch nicht abgeschlossen, hier kann weiterhin überklebt und ergänzt werden!

Die Erfahrungen mit den unterschiedlichen Vermittlungsformaten und Workshop-Ergebnisse werden in der Konzipierung des Junior-Museums im Humboldtforum mit einfliessen.

DIE FÜNF THEMENBEREICHE

Unser interdisziplinäres Team erarbeitete 5 Themenbereiche, die sich farblich und räumlich strukturiert im Ausstellungsraum wiederfinden: die Ausstellung startet mit dem medial vermittelten Bild von Afrika, Erfahrungen aus dem Alltagsrassismus und Stereotypen zu Afrika und Schwarzer Menschen in Deutschland. Was ist eigentlich Rassismus? Der notwendige Perspektivwechsel wird beispielsweise durch eine Rot-Kontrastbrille hindurch hinterfragt und zumindest optisch aufgelöst.
Im Faktenbereich visualisiert eine Zeitleiste die historischen Daten und am danebenstehenden Karten-Tisch werden verschiedene Aspekte zur Geschichte, Politik und Kultur Afrikas im Zusammenhang mit dem deutschen Kolonialismus dargestellt. Der Bereich Herero verbindet die historischen Ereignisse um die Vernichtung der Herero mit der Frage nach der heutigen Verantwortung und Aufarbeitung seitens der deutschen Politik und der Institutionen.
Im eigens für die Ausstellung entwickelten, interaktiven Rollenspiel Damals in Bamun wird die Frage nach individuellem Handlungsspielraum aufgegriffen: BesucherInnen können in die Rolle des Königs eines fiktiven Reiches schlüpfen, welches von den deutschen Truppen im 19. Jahrhundert besetzt wird.
Der Bereich Decolonize wendet schliesslich wieder den Blick nach Berlin und Deutschland: welche Spuren von Verherrlichung kolonialer Vergangenheit finden sich beispielsweise noch in Strassennamen wieder? Und wieviel koloniales Denken steckt in Redewendungen und Zuschreibungen wie „Hautfarbe“ oder „Angst vor’m Schwarzen Mann“?

KUNDE Humboldt Lab Dahlem, Staatliche Museen zu Berlin
LEISTUNG Konzeption, Ausstellungsgestaltung, Grafik, Medien
FERTIGSTELLUNG 2015
Entstanden mit Ute Marxreiter, Paul Beaury, Indra Lopez-Velasco und Cassandra Ellerbe-Dück