»NACH DER FLUCHT. WIE WIR LEBEN WOLLEN«

Wanderausstellung

Weltweit sind immer mehr Menschen auf der Flucht. Sie suchen Schutz vor politischer Verfolgung, Krieg, Diskriminierung, Naturkatastrophen und Armut. 2015 und 2016 hat Deutschland über eine Million Flüchtlinge aufgenommen. Hier sind sie vorerst in Sicherheit. Doch wie geht es für sie weiter? Die Ausstellung informiert über die deutsche Flüchtlingspolitik und Aufnahmepraxis und zeigt, unter welchen rechtlichen, politischen und sozialen Bedingungen Geflüchtete derzeit leben.

ENTWURF
Die erste Station der Wanderausstellung – die Erinnerungsstätte Marienfelde – besteht aus eine Vielzahl kleiner Räume. Hierfür wurde eine klare Formensprache auf Grundlage eines Trapezes und starken Farben entwickelt. Mit großteils vorgehängten Platten wird eine leichte Architektur geschaffen, die den kleinen Räumen genug Luft lässt. Mit hochwertigem Direktdruck und detaillierten Infografiken und Illustrationen und vielfältigen Interaktionen wurde eine Atmosphäre geschaffen, die zum Aufenthalt, Beteiligung und Auseinandersetzung einlädt. Wir hatten die Gelegenheit, die interaktiven Stationen der Ausstellung zu konzipieren und konnten die Ausstellung so auch inhaltlich stark prägen.

PERSPEKTIV-WECHSEL
Mit vielen Mitteln wird in der Ausstellung ein Perspektiv-Wechsel der Besucher*innen evoziert. Durchgängiges Mittel hierfür ist der Einsatz von Spiegeln und Spiegelschrift, um zur Auseinandersetzung mit Sprach-Privilegien anzuregen.

INTERAKTIONEN
Ein großer Fokus unserer Arbeit lag in der Entwicklung interaktiver Formate. Die Heimatstation ermöglicht, über die verschiedenen Faktoren von Heimat zu reflektieren und sein eigenes Heimatbild zusammenzustellen. Hierfür liegen 40 Illustrationen bereit, die Aspekte von sozialen Beziehungen, Räumen, Kultur und Jahreszeiten und Symbolen visualisieren. Ergänzend hierzu können eigene Zeichnungen erstellt werden. Die Heimatbilder können die Besucher*innen fotografieren und alle erstellten Bilder auf einem Screen in einer Wolke betrachten. Die Sprachwaage lädt zur Reflektion über den unterschiedlichen Wert von Sprachen ein, indem durch Wörterbücher das unterschiedliche »Sprachgewicht« ermittelt werden kann. Die Auseinandersetzung mit Instrumentalisierung von Zahlen wird beispielsweise über drehbare Tetraeder erreicht, die auf jeder Seite einen anderen Aspekt der Zahl darstellen. Eine Deutschlandkarte mit Statistiken in Mikro-Schrift regt dazu an, die Anzahl der untergebrachten Geflüchteten im Verhältnis zu den Einwohner*innen zunächst zu schätzen und dann zu überprüfen.

WUNSCHWELTEN
Wohnen-Arbeiten-Bildung – welche Gestaltungsspielräume haben wir und wie nutzen wir sie? In den »Wunschwelten« sind alle Besucher*innen eingeladen, ihren Visionen vom Zusammenleben Ausdruck zu verleihen. Mit verschiedenen Materialien können sie dort einen Ort erschaffen, der alle Voraussetzungen erfüllt, um gut miteinander zu leben.
Die Entwicklung von Zukunftsvisionen ohne Beschränkungen und Anregungen kann sehr herausfordernd sein. Wir haben deshalb versucht, ein möglichst niedrigschwelliges Setting zu schaffen, das den Besucher*innen viele unterschiedliche Ausdrucksmöglichkeiten bietet. Eher textlich strukturierte Personen können ihre Wünsche zu fünf Leitfragen niederschreiben. Zentrales Element der Wunschwelten ist jedoch die Modellstadt: Mit dreidimensionalen Materialien können Gebäude gebaut und ihre Funktion beschrieben werden. Um Orientierung zu bieten, wurde die Diskurswolke entwickelt – aktuell virulente Begriffe zu Zukunftsvisionen werden präsentiert, um Anregungen zu geben.

KUNDE Stiftung Berliner Mauer
LEISTUNG Raumkonzept, Grafik, Medien, Konzept interaktive Stationen
FERTIGSTELLUNG Juni 2017